|
|
||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
|
| Eine Seite zurück | Gesamtübersicht | Impressum | Kontakt | Email | |
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Der VDH erinnert an den 100. Geburtstag von
|
![]() Dr. Hans Joachim Zingel |
"Der Klang der Harfe baut sich von unten auf!" Dies war einer der beiden Sätze, die mich durch mein ganzes Studium bei meinem Lehrer Dr. Hans Joachim Zingel begleitet haben. Den Harfenklang hat er sehr geliebt; nicht den zufällig angenehmen, der durch ausgeglichene Technik und gut gebaute Finger entsteht, sondern den mental vorgeformten Klang, modulationsfähig und damit zu jeder Art von Artikulation zu gebrauchen. Und so lernten wir bei ihm Stilistik, von Monteverdi bis Strawinsky; singend und dirigierend brachte er uns Musik und Timing der verschiedensten Orchesterpartien bei. |
Später dann, als ich seine Nachfolge im Gürzenich-Orchester und der Musikhochschule in Köln antreten konnte, wurde er mir ein väterlicher Freund, der mir immer mit Rat und Tat und - zusammen mit seiner liebenswürdigen Frau - mit wunderbarem Essen und vielen "Piccolos" zur Seite stand. So habe ich ihn immer in Erinnerung behalten.
Ach ja, da gab es doch noch einen zweiten Satz: "Ich würde es einfach mal mit Üben probieren...".
Es ist beinahe 40 Jahre her: Dr. Zingel hielt in Köln einen Lichtbilder–Vortrag über die Geschichte der Harfe. Ich begleitete seinen Vortrag mit entsprechenden Harfen–Soli. Dieser Harfenabend wurde typisch für die Zusammenarbeit mit Dr. Zingel. Jeder Unterricht bei ihm wurde zu einer Art Gesamt–Unterricht: d.h., der Harfenunterricht war gleichzeitig methodisch und theoretisch. Wir analysierten die Harfenkompositionen, die ich vorbereiten musste für größere oder kleinere Recitals.
Dr. Zingel ermutigte mich, bei P. Jamet in Gargilesse und anschließend privat in Paris zu studieren. Hochachtung vor solcher Noblesse!
Seine Aufgeschlossenheit für alle Harfenmethoden (Dr. Zingel war stets präsent auf internationalen Treffen) beruhte auf Umsicht und Sachkenntnis.
Dr. Hans Joachim Zingel erzählte mir in der Harfenstunde folgende Begebenheit: Er hatte seine erste Stelle in Halle inne. Ein junger, sehr unangenehmer Kapellmeister war mit der Harfe nicht zufrieden. Er rief "Nehmen sie mehr Pedal". Beim nächsten Durchlauf nahm Zingel mehr Pedal, statt der angegebenen 2 Pedale trat er 3. Die Folge war Klangsalat. Als der Dirigent schimpfte, meinte Zingel trocken: "...sie haben doch gesagt ich soll mehr Pedale nehmen."
Das Ansinnen Harfe als Nebenfach zu degradieren wurde in den 50er Jahren von ihm erfolgreich abgewendet. Ebenso erreichte er, dass ab 1954 das Harfenstudium der Orchesterklasse mit einem Staatsexamen abgeschlossen werden konnte.
Dr. Hans Joachim Zingel war von 1969 bis 1974 in der "Hochschule für Musik" mein Lehrer. Seine tolerante Art auch anderen Techniken und Methoden gegenüber wird mir immer in lebhafter Erinnerung bleiben. Er war bescheiden und locker, hat nie Übezeiten vorgegeben und sein trockener Humor trug mich über manche Schwierigkeiten hinweg. Als echter Max Saal–Schüler legte er Wert auf einen "guten Ton". Leise, geduldig, aber konsequent verfolgte er seine gesetzten Ziele, ohne dabei persönliche oder anatomische Voraussetzungen eines Schülers außer Acht zu lassen.
Wenn ich mal vom Unterrichtsergebnis begeistert war, pflegte er aus Spaß zu sagen: "Das macht 1,50 DM extra!" Hätte ich das immer bezahlen müssen, wäre er ein reicher Mann geworden.
So erinnere ich mich an mein Studium bei ihm mit großer Freude.
...ich erinnere mich gerne an meine Studienzeit beim "Doktorchen". So nannten wir Studenten ihn manchmal liebevoll.
Mit viel Geduld widmete er sich dem Unterrichten, aber manchmal konnte er auch zynisch sein, meinte es aber nie böse.
Ich studierte Harfe und Geige und hatte daher zu wenig Zeit für "sein" Instrument. Dies war dem "Doktorchen" ein Dorn im Auge und ich litt natürlich ab und zu vor mich hin. Als ich wieder einmal zu wenig vorbereitet zum Unterricht kam, sagt er spitz: "Wenn du endlich diese Geigerei ließest und dafür mehr auf der Harfe üben würdest, könnte eine sehr gute Harfenistin aus dir werden!"
Er hatte ja vielleicht recht, aber Schubert und Brahms liebte ich auch und die haben in ihren Sinfonien so gar nicht an die Harfe gedacht.
Als ich nach meinem Studium in Köln später nach Gifhorn zog, besuchte mich mein Lehrer. Seine Frau stammte aus dem Nachbarort Isenbüttel, und als er den Bahnhof sah, fand er, dass er noch genauso aussah wie früher, als er mit seinem Schäferhund dort ankam und auf "Brautschau" ging (seine Worte), das heißt seine zukünftige Frau besuchte.
Ich hatte schon mit 16 Jahren bei ihm Unterricht und fuhr von Dortmund nach Köln (nach wie vor Hermeskeilerstraße 8). In seinem Bücher- und Harfenzimmer stand auf dem Regal eine Büste der Nofretete. Und genauso sah im Profil seine Frau aus, mit schwarzem Haar und braunen Augen, eine sehr schöne Frau.
Dr. Zingel fuhr zum Dienst ins Opernhaus immer mit dem Fahrrad. Die Frackschwänze hat ihm seine Frau an den Schultern festgesteckt. So hatte er keine Verkehrsprobleme.
Mein Lehrer war der einzige mir bekannte Harfenist, der nie über einen anderen Harfenisten oder Harfenistin etwas Schlechtes gesagt hat.
Nach meinem abgeschlossenen Studium wollte ich mich noch weiterorientieren und kam zu Dr. Zingel, der es hervorragend verstanden hat, schwierige Orchesterstellen so zu vermitteln, dass sie auch zu bewältigen waren, und man somit gut vorbereitet zu Probespielen fahren konnte.
Von seinen Schülern, die bereits im Engagement waren, hat er sich immer schwere Orchesterstellen zur Weitergabe an seine anderen Schüler geben lassen. Die Orchesterstellen hat er ebenso professionell unterrichtet wie die Sololiteratur.

An einer Biegung des Roten Main treffe ich ihn, den "Harfendoktor". Auf den Knien der unvermeidliche Zeichenblock, gleich neben ihm sein Fahrrad, von dem er sich auf keiner Reise trennen kann. Aus einer Mappe holt er ein paar Aquarelle hervor: weites sanft geschwungenes Hochland auf den einen, scharf eingeschnittene Schluchten, von bizarren, schwarzen Nadelbäumen eingefasst, auf den anderen.
Dr. Hans Joachim Zingel ist nicht mit Rheinwasser getauft, hat aber trotzdem einen ausgesprochenen Sinn für Gemütlichkeit. (Schließlich ist die Harfe ein Beweis dafür; ihre Pausen werden nicht nach Takten, sondern zuweilen nach Stunden gemessen.) Was ihn aber nicht daran hindert, mit seinem Veloziped wahre Marathonleistungen zu vollbringen. Im vergangenen Jahr ist er zum Bei-spiel zusammen mit seiner Gattin von Bayreuth nach Köln zurückgeradelt. Die 500 Kilometer genügten ihm jedoch nicht, und so machte er noch einen Umweg von weiteren dreihunderttausend Metern.
In einem alten, winkligen Bayreuther Antiquariat fand ich eine Dissertation zur Geschichte der Harfe. Durch mein unseliges Rückwärtsblättern stieß ich erst ganz am Schluss auf den Verfasser: Dr. Hans Joachim Zingel. Ein kleiner Lebenslauf darin enthob mich der Mühe, den Harfendoktor selbst zu fragen: Studium an den Musikhochschulen Berlin, Breslau und Halle, 1930 Promotion, 1932 Engagement nach Lübeck, 1933 erste Verpflichtung nach Bayreuth, 1934 Halle und 1938 Köln. Dazwischen noch dreimal Bayreuth. Mit den Festspielen von 1951 und 1952 zusammen war Dr. Zingel also bereits sechsmal auf dem Grünen Hügel. (ben.)
Harfe und Harfenspiel vom Beginn des 16. bis ins zweite Drittel des 18. Jahrhunderts. Diss. phil. Halle/Saale 193o, gedr. Halle 1932, 2. Auflage Laaber 1979
Festschrift Max Schneider zum 60. Geburtstag überreicht von Kollegen, Freunden und Schülern. In Verbindung mit Arnold Schering, Walter Vetter, Hans Hoffmann, Walter Serauky, herausgegeben von H. 3. Zingel, Halle/Saale 1935
Das Kölner Gürzenich-Orchester. Werden und Sein. Zum Jubiläumsjahr für die Mitglieder und Freunde des Orchesters, Köln 1963
Harfenmusik. Harp music. Musique de la harpe. Harp muziek. Musica per arpa. Verzeichnis der gedruckten und zur Zeit greifbaren Literatur für Pedalharfe, Hofheim (Taunus) 1965
König Davids Harfe in der abendländischen Kunst, Köln 1968, Davids Harfenspiel. Nachgewiesen an den Altbeständen der Hildesheimer Stadtbibliothek. Alt—Hildesheim, Jahrbuch für Stadt und Stift Hildesheim, Sonderdruck Nr. 41, August, Lax Verlagsbuchhandlung, Hildesheim 1970
Harfe im Barockzeitalter, Regensburg 1974
Harfenmusik im 19. Jahrhundert. Versuch einer historischen Darstellung, Wilhelmshaven 1976
Lexikon der Harfe. Ein biographisches bibliographisches, geographisches und historisches Nachschlagewerk von A-Z, Laaber 1977
Bach, C. Ph. E. ‚ Sonate für Harfe G-Dur, Erstausgabe durch H. Neemann, Breitkopf, revidierte Ausgabe durch Zingel, Breitkopf-Härtel Nr. 6593, 1968
Bochsa, Ch. N. und R.Kreutzer, Nocturne for Violin and Harp, Lyra Music Co, New York, N.Y. 1966
Gretry, A. E. "Danse des femmes", Trio für drei Harfen aus der Oper "La Caravane du Caire‘, Lyra Music CO, New York, N.Y.
Händel, G. Fr., Thema con Variazioni für Harfe (oder Piano), Edition Schott 4913
Krumpholtz, J. B., Sonate für Flöte oder Violine und Harfe, Nagels Musik Archiv Nr. 98, jetzt Bärenreiter/Kassel
Krumpholtz, J. B., Sonate für Harfe in F-Dur, Edition Schott 5437 Mayer Ph.J., Sonate für Harfe in g-moll, Edition Schott 5394
Molter, Melchior, Sonata a tre (Harfe, Violine, Bc.), VEB Hofmeister Verlag Leipzig
Petrini, F., Concerto Nr. 4 Es-Dur für Harfe und Kammerorchester, H. Gerig Köln
Rössler-Rosetti, Fr. A., Sonate für Harfe in Es - Dur, Edition Schott 5438
Schuster, J., Divertimento für Violine und Harfe, Lyra Music Co. New York, N.Y. 1966
Spohr, L., Sonate für Harfe und Violine, VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig 1969
Wagenseil, G. CH. ‚ Konzert für Harfe, zwei Violinen und Violoncello, VEB Deutscher Verlag für Musik, Leipzig
Neue Harfenlehre, Geschichte - Spielart - Musik in vier Bänden, VEB Hofmeister Musikverlag Leipzig 1960 - 1969
Orchesterstudien für Harfe (aus Orchesterwerken des 2o. Jh.‚ 3 Bände, hrsg. von H. J. Zingel unter Mitarbeit von R. Schmidt, Musikverlag H. Gerig Köln 1972
Leipziger Studentenmusik 1719. Drei anonyme Sätze, Edition Schott 4914
Werke alter Meister für die Harfe, 2 Bde. Ausgewählt von H. J. Zingel und
G. Haag bei Joseph Preissler, München.
Weitere Literaturangaben zu Dr. Hans Joachim Zingels Veröffentlichungen können bei der Verfasserin erfragt und angefordert werden.
Ausg. Nr.: | Vom: | Name des Artikels: |
| 01 | Mai 1964 | Es ist etwas los mit der Harfe in der Welt |
| 02 | Nov 1964 | Intern. Wettbewerb in Genf (Bericht) |
| 02 | Nov 1964 | Harfenisten im Orchester |
| 02 | Nov 1964 | Kleines historisches Repetitorium |
| 02 | Nov 1964 | Bochsa, Robert Ch. N. |
| 03 | Mai 1965 | Die "Bayreuther Sieben" von Anfang bis 1960 |
| 03 | Mai 1965 | Bild - Dokumente Geschichte an Hand von Bildern |
| 04 | Nov 1965 | Internationale Harfenwoche in Holland 1965 |
| 04 | Nov 1965 | Die Harfe in alter Musik. |
| 04 | Nov 1965 | Zum Beitrag "Die Pedale...". (Mai65) |
| 05 | Mai 1966 | Miszellen. Die Harfe als Sinnbild, Spohrs Harfensonaten, Verrichtet der Musiker Arbeit? Schriften zur Geschichte |
| 06 | Nov 1966 | Harfenbildnisse aus alter Zeit |
| 06 | Nov 1966 | Wagner und die Harfenisten |
| 07 | Mai 1967 | Bach auf der Harfe |
| 07 | Mai 1967 | Händels Harfenspiel |
| 08 | Nov 1967 | Therese a. d. Winkel zum Gedenken (1774-1867) |
| 10 | Nov 1968 | 5. Harp Master Class in Hartford, USA |
| 11 | Mai 1969 | Historische Miniaturen Berlioz, Oberthür, de Marin, Rosalie Spohr |
| 11 | Mai 1969 | Beethovens Harfenistin: Josepha Müllner (1769-1843) |
| 12 | Nov 1969 | Auf der Suche nach verschollener Harfenmusik. |
| 12 | Nov 1969 | Historische Miniaturen Duport, Petrini, Parish-Alvars |
| 13 | Mai 1970 | Zu einem aktuellen Thema Bartok Violinkonzert |
| 14 | Nov 1970 | Früheste Harfenschulen |
| 14 | Nov 1970 | In der Musik spielt eine Frau selten die erste Geige |
| 14 | Nov 1970 | Historische Reminiszenzen (Labarre, O' Carolan) |
| 14 | Nov 1970 | Die Harfe als Zauberinstrument |
| 15 | Mai 1971 | Die Harfe bei Franz Liszt |
| 16 | Nov 1971 | Internationale Harfenwoche in Holland |
| 16 | Nov 1971 | Albrecht Dürers Schwiegervater ein Harfenspieler? |
| 16 | Nov 1971 | Zur Entwicklung in der Stilistik der Harfen-Literatur |
| 16 | Nov 1971 | Ysgol y Delyn, Bericht aus Wales |
| 17 | Mai 1972 | Marcel Grandjany, achzigjährig |
| 17 | Mai 1972 | Probleme des Harfenspiels |
| 17 | Mai 1972 | Franz Poenitz, Virtuose und Komponist, Musiker und Maler. |
| 18 | Nov 1972 | Wilhelm Posse (1852-1925) |
| 19 | Mai 1973 | Johannes Snoer zum Gedenken |
| 19 | Mai 1973 | Kann eine "Volksharfe" ein preisgünstiges Anfänger- und Laien-Instrument sein? |
| 20 | Nov 1973 | Die Einführung der Harfe in das romantische Orchester (1) |
| 21 | Mai 1974 | Die Einführung der Harfe in das romantische Orchester (II) |
| 21 | Mai 1974 | Gesamt-Inhalts-Übersicht 1963-1973 |
| 21 | Mai 1974 | Das Wunderkind |
| 22 | Nov 1974 | In Memoriam Dore Giesenregen 1974 |
| 22 | Nov 1974 | Historische Skizzen: Félicité de Genlis, Ossian, Arnold Böcklin. |
| 22 | Nov 1974 | Versuche mit historischen Harfen im Rheinland |
| 23 | Mai 1975 | Was man schwarz auf weiß besitzt...! |
| 24 | Nov 1975 | Internationale Harfenwoche 1975 in Holland |
| 25 | Mai 1976 | Die Harfe der Königin |
| 26 | Nov 1976 | Internationale Harfenwoche 1976 |
| 26 | Nov 1976 | Zum Gedenken an Wilhelm Posse (gest. 1925) |
| 27 | Mai 1977 | Rose Stein zum Gedächtnis |
| 27 | Mai 1977 | Ein wahrhaft großer Abend für die Harfe |
| 29 | Mai 1978 | Louis Spohr und die Harfe |
| 30 | Nov 1978 | Brief an die DOV: Betrifft Dienstbelastung |
| 40 | Nov 1983 | Klavier und Harfe - Harfe und Klavier |
| 42 | Nov 1984 | Ludwig Spohr und die Harfe |
Wenn jemand Interesse an einem Artikel hat, bitte bei Monika Wischnowski melden.
Ob er gleich von hinnen schied,
ist er doch geblieben,
der so manches schöne Lied
einst für uns geschrieben.
Unser Mund wird ihn entzückt
lange noch erwähnen,
und so lebt er hochbeglückt
zwischen unser'n Zähnen.
© 2004 by Rainer Templin rainer.templin @ harfe-vdh.de